Sie verwendeten einen veralteten Browser. Bitte führen Sie für ein besseres Surf-Erlebnis ein Upgrade aus.
JavaScript scheint momentan in Ihren Browsereinstellungen deaktiviert zu sein.
Bitte nehmen Sie eine Änderung dieser Einstellung vor und laden Sie die Webseite neu, um deren volle Funktionalität zu ermöglichen.
Filmrollen aus dem Archiv der Fotografenfamilie Hotz
Ein moderner Arbeitsplatz im Archiv

Tag der Archive 2022

Die Archivalien des Stadtarchivs

Anlässlich des nationalen "Tag der Archive", welcher vom Verband deutscher Archivarinnen und Archivare initiiert wird, präsentieren wir an dieser Stelle in der Zeit vom 28.02.2022 bis zum 06.03.2022 jeden Tag eine neues Archivales aus unseren Beständen. Dabei kann es sich um spannende Geschichten oder auch um verblüffende Kuriositäten handeln, getreu dem Motto "Fakten, Geschichten, Kurioses". Die präsentierten Archivalien geben Einblick in bisher vielleicht unterschätzte Quellen und zeigen die Vielfältigkeit der Archivbestände im Stadtarchiv.

Ein Familienfoto vom 19.09.1911

Im Rahmen des Tages der Archive stellt das Familienbildnis der Familie Oswald Löffler aus Boll unser letztes vorgestelltes Archivales da. Das Bild wurde am 19.09.1911 im damaligen Gartenatelier des Fotografen Hotz am heutigen Hägerweg aufgenommen. Die Glasplatte weist trotz ihres eindrucksvollen Alters von 111 Jahren und ihrer beachtlichen Größe von 28 cm x 34 cm kaum Beschädigungen auf. Wir sehen sieben erwachsene Personen und vier Kinder harmonisch und Bildausgewogen angeordnet vor der gemalten Fotoleinwand mit historisierenden Motiven. Die Buben im Vordergrund deuten mit ihrer Hand im Mantel die damals für Männer populäre Napoleon Geste an. Das Gesicht des kleinen Mädchens auf dem Schoß ist etwas verschwommen. Das finden wir oft bei frühen Fotografien mit Kleinkindern, da sie während der benötigten Belichtungszeit oft nicht lange genug stillhalten konnten. 

Dieses Beispiel ist nur eines von über 100.000 Fotos aus dem Nachlass der Fotografenfamilie Hotz. Noch in diesem Jahr werden die ersten Bestände online von uns zur Verfügung gestellt. Es dauert nicht mehr lang!

Zeitungen – Durch Digitalisierung in eine vergangene Zeit eintauchen!

Zeitungen erscheinen meist mehrmals wöchentlich sind sie bis heute ein beliebtes Medium. Dabei sind sie analog oder digital in vielen Haushalten anzutreffen, aber auch in den Archiven sind sie stark nachgefragt.

In Stockach wurde die erste Zeitung 1803 unter dem Namen „Nellenburgische Landbote“ gedruckt. Bis 1935 gab es verschiedene Zeitungen, die teilweise parallel in Stockach gedruckt und herausgegeben wurden. 1935 wurde mit dem Stockacher Tagblatt, welches aus dem Nellenburger Landboten 1907 hervorging, die letzte Stockacher Zeitung herausgegeben. Zwar gibt es mit dem SÜDKURIER bis heute eine regionale Zeitung, die einen Stockach-Teil besitzt, jedoch ist diese keine eigenständige Stockacher Zeitung.

Damit dieser Sammlungsschatz praktisch „von zu Hause aus“ genutzt werden kann, beteiligte sich das Stadtarchiv Stockach an einem groß angelegten Projekt zur Digitalisierung regionaler Zeitungen im Landkreis Konstanz. Möglich ist all dies durch eine Förderung von 115.000 € im Projekt Wissenswandel der Bundesregierung. Neben dem Stadtarchiv Stockach ist das Kreisarchiv in Konstanz sowie das Stadtarchiv in Konstanz an diesem Projekt beteiligt. Dadurch gelang es mehr als 400.000 Zeitungsseiten zu digitalisieren. Durch diese Digitalisierung stellt man nicht nur die langfristige Lesbarkeit und Nutzbarkeit der Zeitungen sicher. Ein weiterer besonderer Vorteil ist die Recherche innerhalb der Zeitungen, was mit Hilfe einer Schriften-Erkennungssoftware gelang.

Bereitgestellt werden diese Digitalisate von der digitalen Bibliothek des Bibliotheksservice-Zentrums Baden-Württemberg (BSZ) und der Verbundzentrale des GBV (VZG) auf folgender Webseite: https://www.digishelf.de

Reinlesen lohnt sich!

Ein kurioser Urkundenfund...

Bis vor wenigen Jahren war diese Urkunde für uns nicht lesbar. Sie wurde vor über 300 Jahren als Einband für ein Kopialbuch verwendet. So nennt man Bücher mit Abschriften von Urkunden. Im Rahmen einer Inventur hat Archivleiter Johannes Waldschütz entdeckt, dass der Einband in Wahrheit eine Urkunde darstellt. Mit Unterstützung der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) konnte das Stadtarchiv nicht nur das Kopialbuch restaurieren lassen, sondern auch die Urkunde vom Einband trennen und damit wieder lesbar machen.

Urkunden sollen einen bestimmten Rechtsinhalt schriftlich und dauerhaft festhalten. Im Fall dieser Urkunde handelt es sich um den Verkauf eines Hauses in Stockach im Jahr 1542. Der Aussteller war Stockacher Stadtammann (Bürgermeister) Ulrich Rorgenwieser, der den Verkauf im Rahmen seiner Amtspflichten beurkundete. Verkäufer Jakob Scheurer mit seiner Ehefrau Ursula Spilerin und der Käufer, Laurenz Värkler, waren zur Beurkunden des Sachverhalts extra vor das Stadtgericht gekommen. Heute nehmen Notare solche Aufgaben wahr, die Stadt stellt Urkunden vor allem noch im Personenstandswesen aus, also Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden. Urkunden gibt es heute aber auch im privaten Bereich: Vielleicht habt ihr schon einmal eine Urkunde fürs Blutspenden, die Bundesjugendspiele oder für treue Mitgliedschaft in einem Verein erhalten.

Genau durchgelesen haben wir uns die Urkunde übrigens auch noch nicht, das überlassen wir im Regelfall den Benutzerinnen und Benutzern unseres Archivs. Durch die Restaurierung ist die Urkunde mit ihrem Inhalt dauerhaft für die Stockacher Geschichte gesichert worden. Denn neben dem eigentlichen Inhalt – in diesem Fall dem Hausverkauf – verraten solche Urkunden meist noch eine Menge wichtiger Details, etwa die Namen von Personen und Orten, aber auch kuriose Details. Wenn ihr jetzt also neugierig seid, müsst ihr nur noch die Schrift des 16. Jahrhunderts lernen. Mit etwas Geduld könnt ihr dann auch unsere Urkunde entziffern.

Drucksachen – der Körplan für Baden

Drucksachen sind im Archivwesen weit verbreitet und umfassen Schriften, die außerhalb des Buchhandels erschienen sind. Sie werden in zwei Arten unterteilt:

  • Amtsdrucksachen die von öffentlichen Stellen herausgegeben werden, wie
    z. B. Gesetzestexte, amtliche Berichte oder Statistiken und
  • Graue Literatur die zum Beispiel von Firmen, Vereinen oder Privatpersonen veröffentlicht wird.

Das vorliegenden Beispiel ist auch für uns ein kurioser Fund gewesen. Wir verfügen über diverse Unterlagen zu Körungen in Stockach und seinen Ortsteilen, jedoch ist dieses Heft erst vor kurzer Zeit zu gekommen. Erst durch die Übernahme von Unterlagen aus der Ortschaftsverwaltung in Mahlspüren im Tal / Seelfingen haben wir diese wichtige Ergänzung für unsere Bestände erhalten. Das „Merkblatt und Körplan für die Hauptkörungen der Abteilung B (Bullen)“ wurde im Jahr 1939 veröffentlicht. Diese Amtsdrucksache wurde vom Köramt der Landesbauernschaft Baden herausgegeben.

Bei einer Körung, in unserem Fall bei der Körung von Bullen, werden diese auf ihre Eignung für die Zucht geprüft. Erst nach einer erfolgreichen Körung durfte ein Bulle zur Züchtung eingesetzt werden. Das Merkblatt gibt einen Einblick, wie und wo die Körung durchgeführt wurde, wer bei der Körung anwesend sein musste und welche Kosten anfielen. 1939 war die für den Amtsbezirk Stockach (vergleichbar mit dem Landkreis Stockach) zuständige Körstelle in Radolfzell.

Durch die starke landwirtschaftliche Prägung unserer Region verfügen wir über Unterlagen zu verschiedenen Körungen in unterschiedlichen Ortsteilen. Und diese warten nur darauf entdeckt zu werden. In unseren Beständen kann man hier nach diesen Unterlagen recherchieren.

Karten und Pläne - Ein Besuch in Stockach im Jahr 1721

Insgesamt sind im Stadtarchiv derzeit mehr als 600 Karten und Pläne verzeichnet. Die inhaltliche Spannbreite erstreckt sich dabei von Bauplänen, über Atlanten mit verschiedenen Karten zu Stockach und seinen Ortsteilen, aber auch über Grundrisse und Aufrisse von einzelnen Gebäuden. Die Sammlung ist nicht abgeschlossen und wird regelmäßig erweitert.

Doch was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Plan und einer Karte?

Bei beiden Darstellungsformen handelt es sich um verkleinerte und vereinfachte Darstellungen der Erdoberfläche. Pläne sind viel detailreicher, da man erst ab einem Maßstab von 1:10.000 von einer Karte spricht. Dies ist jedoch keine starre Grenze, da es auch Stadtpläne gibt, die einen kleineren Maßstab besitzen. Auch der Wert dieser Quelle für die Forschung ist nicht zu unterschätzen: Karten können mit ihrem kleinen Maßstab Auskunft über geographische oder kulturlandschaftliche Veränderungen geben. Pläne hingegen können detailliert die Veränderungen eines Dorfes oder einer Stadt aufzeigen.

Beispielhaft für diese Pläne präsentieren wir euch den ‚Geometrischen Grundriss über die Feldgüter zur Oberstadt Stockach‘ von 1721 in einer Kopie von 1784. Dieser Plan ist einer der Ältesten aus unserem Stadtarchiv und wie das Digitalisat belegt, ist es notwendig Pläne dieser Art zu digitalisieren und damit ihren IST-Zustand zu erhalten.

Es ist gar nicht so leicht die Oberstadt zu erkennen, oder? Für einen Einblick in unsere Bestände, haben wir euch hier fast alle Karten und Pläne, die bisher verzeichnet wurden, abgelegt.

Die Tabakpfeife des Herrn Rußmeier aus Zizenhausen

Manchmal finden auch Objekte den Zugang ins Archiv. Nämlich dann, wenn sie im direkten Zusammenhang mit den Archivalien stehen. So wie im Fall unserer geschnitzten Tabakpfeife. Über die Pfeife ist bislang wenig bekannt. Sie gehörte wohl der Familie Hotz und besteht aus zwei abnehmbaren Teilen. Jedoch findet sie sich auf einer unserer Glasplatten vom 29.09.1907 wieder und zeigt sie mit einem Herrn aus Zizenhausen. Ein wirklich kurioses Objekt.

Der Glasplattenbestand der Fotografenfamilie Hotz

Die Glasplattenbestände gehören zu den ältesten Beständen des Fotoarchivs Hotz. Zum einen weisen seine hochaufgelösten Negative auf Glasplatten eine hervorragende Bildqualität auf. Zum anderen dokumentiert der Bestand eindrucksvoll die Entwicklungen und Ereignisse von Stockach und seiner Umgebung ab ca. 1900. Dahinein fällt unter anderem die Renovierung der Katholischen Stadtpfarrkirche St. Oswald 1932, die Enthüllung des Kriegerdenkmals vor dem alten Forstamt 1933, der Aufbau der ersten Stromversorgung von Stockach in den frühen 1920er Jahren, die Umstellung der Postkutschen auf Automobile und natürlich - kein Stockacher Bildbestand ist ohne denkbar - die Fasnacht. Aber noch viele Themen mehr!

Akten – papiergewordene Fakten

Der Klassiker unter allen Quellen, die ein Stadtarchiv besitzt, ist die Verwaltungsakte. Sie ist zugleich eine der wichtigsten Quellen, denn sie spiegelt die Arbeit einer Verwaltung wieder. Dabei enthält sie vor allem Schriftstücke und dokumentiert Entscheidungsvorgänge innerhalb einer Behörde. Damit ist eine einzelne archivierte Akte Trägerin von papiergewordenen Fakten und damit ein wichtiger Anlaufpunkt für Forschende, wenn es um die Historie eines Ortes oder einer Region geht. Insgesamt besitzt das Stadtarchiv Akten im Umfang von etwa 1 Kilometer Länge, wenn man alles aneinanderreihen würde. Sie reichen dabei bis ins 17. Jahrhundert zurück.

Nicht selten gelangen aus der Stadtverwaltung daher auch wichtige Gründungsverträge zu uns ins Stadtarchiv. Als ein Beispiel dafür dient der Vertrag zur Gründung einer Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft vom 27.06.1974 zwischen Stockach, seinen Ortsteilen und 13 weiteren Gemeinden. In diesem Original sind die Rechte und Pflichten der Vertragspartner sowie die Besetzung von Ausschüssen und die Finanzierung des Zusammenschlusses geregelt. Solche Verträge sind prägend für die Geschichte einer Region und daher besitzen sie eine große Bedeutung. Und natürlich sind sie für die Öffentlichkeit jederzeit nutzbar. Das beschriebene Beispiel haben wir digitalisiert und stellen es euch hier zum Durchlesen zur Verfügung.